Details

ISBN/EAN: 978-3-86638-386-9
Einband: kartoniertes Buch
Weitere Details
Erschienen am:
Sprache:
Deutsch
Umfang:
112 S.

Hersteller:
Axel Dielmann Verlag KG
neugier@dielmann-verlag.de
Donnersbergstr. 12
DE 60528 Frankfurt am Main


Weitere Details arrow_forward_ios

Wortlandschaften

Prosa-Gedichte

Beschreibung

Der dritte Band mit Prosa-Gedichten von Wolfgang Haak, welcher hier wiederum ruhige Landschaftsgedichte schreibt - oder gärt es da im Wiesenrain hinter der Fischbude? Ist die idyllische Elsbeere morsch, die wie aus der Romantik herüberzuwachsen scheint? Sind die 'alten Wege', entlang denen es mit und laut Wolfgang Haak leis in die Natur geht, doch auf eine unverläßliche Art auf Sand gebaut? Wolfgang Haak kennt seine Landschaften, er lebt mit den traditionellen wie gegenwärtigen Texten, die seine Landschaften feiern, an denen er sich - als an einem der, wenn auch bedrohten, Horizonte unserer Existenzen - abarbeitet. 'Es ist schön, am Rand eines Abhangs über den Dingen zu stehen. Die graue Flut steigt. Feld und Flur verfüllt von Nebelglanz, darunter vermute ich mein Sammelsurium aus Weggeworfenem, Liegengelassenem und Vergessenem. Mir geht nichts verloren, außer Lebenszeit.' (aus 'Nebelbank bei Buchfahrt') Oder muß anders gefragt werden: Ist Wolfgang Haak ein dichterischer Punk im Bürgerskostüm? Er selbst gibt die Auskunft: 'Vielleicht könnte ein Angelhaken in der Unterlippe seinem Denken eine andere Richtung geben.'

Über Wolfgang Haak

Wolfgang Haak ist 1954 in Genthin (Sachsen Anhalt) geboren, lebt in Weimar. Nach dem Studium der Mathematik, Physik und Erziehungswissenschaften an der ­Friedrich-Schiller-Uni­­ver­sität wurde er Lehrer und leitete bis 2019 das Musikgymnasium Schloss Belvedere, Weimar. Gründungsmitglied der Lite­rari­schen Gesell­schaft Thüringens e.V., 2006 Gründer des Thü­­ringer Literaturrats, Mitbegründer der Veranstaltungsreihe MelosLogos, Poetische Liedertage der Klassik Stiftung Weimar ab 2002. Mitglied PEN seit 2012. 2001 Erster Preis des Rhein­heimer Satirelöwen für satirische Kurzprosa. Neben den Gedicht- und Prosabänden lebensumwege (2001), Treibgut - Warmzeit (2004) und Bagatellen, Opus Nr III (2008) umfasst sein Werk auch die Romane Der Sohn des Windmüllers (2005) und Zeitumstellung (2014) sowie ab 1980 die Künstlerbücher Lehmgehöfte mit Klaus Werner, Traumtore mit Dietmar Zaubitzer, Alter Gleisberg mit Martin Max, Mathilde, Walter und ich mit Walter Sachs, Unser tägliches Brot mit Martin Max und Scherkonde (2018). - Er hat Aufsätze über die in Jena geborene Schriftstellerin Rahel Sanzara (Johanna Bleschke) sowie Briefe und Karten 1909 bis 1918 von Walter Hasenclever an einen Jugendfreund und Pier Paolo Pasolini in Weimar und Schillers Spaziergang auf den Jenzig herausgegeben. Einiges weitere läßt sich auf Wolfgang Haaks Autoren-Website www.whaak.de entdecken.

Leseprobe

Schnappschuß, 2020 (1. Text im Band): März in Weimar. Eine Linde regungslos unter der Wolkenlast des Universums, wo viel Platz ist für flüchtige Gebilde. Kein Feuerwerk des Frühlings in Sicht, nur der Abglanz auf über­jährigen Hagebutten und Schlehen. Käme ein Komet in der Form eins Dodekaeders um die Ecke, er könnte die Stadt nicht erwecken. Hoffnung auf die Ankunft der Mauersegler und die Durchseuchung der Bürgerschaft. Drei Maskierte tauchen auf, die Heilkraft von Lavendel, Weihrauch und Myrrhe verkündend. Augen zu, allen Wetterwarnungen zum Trotz. Daheim ist daheim in Weimar, der Stadt, die sich im Kernschatten der eigenen Bedeutung verfangen hat. Wasser­ströme die Rinnsteine hinab, ein Gurgeln in den Fallrohren, Morsezeichen tropfenweise ins Faß gezählt. Das ist so und wird immer bleiben. Längst sind Demütigungen und Verluste ins Trockene gebracht und frisch desinfiziert. Denn euch fehlt die Gabe, jedem, der euch vertraut, hilfreich und tröstlich zu sein. Bleiben Infektionskurven, der Rost auf dem Stacheldraht und alle Feigheit der gültigen Stunden. Nietzsche als Superstar, Goethe und die Homosexualität, Schil­ler im Schatten der Pomo­logie. Trotzdem ist immer was los. Verirrte Touristen frieren unter Regenschirmen mit dem Salve-Gruß unterm Arm. März in Weimar also: ein luxuriöses Quarantänezentrum von der Ilm durchflossen. Aber die Linde träumt allen Falschmeldungen zum Trotz davon, einst mit blanken Blättern regungslos im Sonnen­schein zu stehen. Bleibt die Sehnsucht der Propheten und Bürger nach dem Sosein, wie es nie war, wenn der Komet vorüber ist, und ein Hauch von Lavendel, Weihrauch, Myrrhe und jetzt auch Bratwurst durch die Gassen zieht.