Details
ISBN/EAN: 978-3-7395-1523-6
Einband: gebundenes Buch
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Herausgeber:
Johannes Altenberend
Johannes Altenberend
Auflage:
1. Auflage 2024
1. Auflage 2024
Erschienen am:
06.05.2024
06.05.2024
Sprache:
Deutsch
Deutsch
Umfang:
679 S., 52 s/w Illustr., 13 farbige Illustr., 67 I
679 S., 52 s/w Illustr., 13 farbige Illustr., 67 I
Format (T/L/B):
5.2 x 24.2 x 18.1 cm
5.2 x 24.2 x 18.1 cm
Hersteller:
Verlag für Regionalgeschichte UG
Dr. Dirk Paßmann
buchverlag@regionalgeschichte.de
Soester Straße 13
DE 48155 Münster
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Dr. Dirk Paßmann
buchverlag@regionalgeschichte.de
Soester Straße 13
DE 48155 Münster
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'Der Freiheit Wimpel weht am Mast'
Selbstzeugnisse eines westfälischen Juden zwischen Assimilation und Emigration, Sonderveröffentlichung des Historischen Vereins für die Grafschaft Ravensberg 31 - Verlag für Regionalgeschichte - Veröffentlichungen der Historischen Kommission für West
Voraussichtlich lieferbar innerhalb 1 - 2 Wochen
Beschreibung
'Der Freiheit Wimpel weht am Mast' - diese Verszeile hat Willy Katzenstein (1874-1951) Ende Mai 1939 während der Überfahrt ins englische Exil geschrieben. 'Freiheit' war im Leben des Bielefelder Rechtsanwalts, Lokalpolitikers und vielbeschäftigten Funktionärs jüdischer Organisationen ein zentraler Begriff. Das gilt sowohl für seine Einstellung zum Judentum als auch für die liberaldemokratische Position in sozialen und wirtschaftlichen Fragen. Sein Verständnis von Freiheit hat er in mehreren Selbstzeugnissen zum Ausdruck gebracht. Die in der Emigration in London geschriebene Autobiographie wie auch sein Tagebuch aus dem Ersten Weltkrieg sind einzigartige Texte zur jüdischen Geschichte Westfalens und Bielefelds. Sie erlauben tiefe Einblicke in das Leben und die Gedankenwelt eines assimilierten Juden, der über sich selbst und die Lage der jüdischen Bevölkerung im 20. Jahrhundert bis zur antisemitischen Politik des NS-Regimes reflektiert. Als Repräsentant der westfälischen Synagogen-Gemeinden war Katzenstein 1933 an der Gründung der Reichsvertretung der deutschen Juden beteiligt. Seine engen Beziehungen zu jüdischen Organisationen in Berlin waren die Voraussetzung dafür, dass er Einrichtungen zur Selbsthilfe geschaffen und die Auswanderung vieler Jüdinnen und Juden ermöglicht hat. Im Kriegstagebuch berichtet er detailliert über seinen Dienst von September 1914 bis November 1918 an verschiedenen Orten im besetzten Belgien. Als national gesinnter Jude rechtfertigt er die deutsche Kriegspolitik und das Besatzungsregime. In dieser Zeit blendet er seine Zugehörigkeit zur jüdischen Glaubensgemeinschaft nahezu völlig aus.
Über Willy Katzenstein
statt Autor und Herausgeber steht hier das stark gekürzte Inhaltsverzeichnis Vorwort & Preface 9 Einleitung Willy Katzenstein (1874-1951) 17 / Selbstzeugnisse Katzensteins 30 / Edition 45 Autobiographie Einleitung 49 / Vorfahren 50 Kinderzeit 67 / Schulzeit 72 / Studentenzeit 85 Berlin 100 / Einjährigenzeit 104 / Referendarzeit 110 Referendar in Bielefeld 117 / Rechtsanwalt in Bielefeld 132 Reisen 146 / Bürgerliches Leben 151 / Ehestand 163 Erfahrungen und Enttäuschungen 174 / Ein Fehlurteil 185 Die Katastrophes 193 / 1933 197 / 1934-1937 213 1938 231 / November-Pogrom 240 Auswanderung 248 Gedichte 1939 271 Abbildungsteil 273 Artikel in jüdischen Zeitungen Liberale Vereinigung 1909 289 / Taufjudentum und Antisemitismus [1914 296 Westjuden 1919 300 / Gesamtorganisation 1920 306 / Jüdischen Probleme 1922 312 Jewish Agency 1929 320 / Judentum und jüdische Gemeinde 1931 324 Brief an die Jüdische Rundschau Juni 1933 329 / Brief an die Jüdische Rundschau Juli 1933 331 Jüdische Gegenwart 1934 332 / Inneren Neubau 1935 337 Jüdische Gruppensiedlung 1938 341 Kriegstagebuch 1914-1918 1914 345 / 1915 399 / 1916 449 / 1917 493 / 1918 531 Feldpostkarten 609 Anhang Abkürzungen 635 / Quellen 637 / Katzenstein-Veröffentlichungen 640 / Literatur 641 / Personenregister 665 / Ortsregister 673
Rezension
Willy Katzensteins Autobiografie gibt beeindruckende Einblicke in seine Gedankenwelt als assimilierter Jude. Die von Johannes Altenberend aufwendig eingeleiteten und kommentierten Selbstzeugnisse offenbaren die Lebenswelten des 1874 in Bielefeld geborenen Rechtsanwalts, Vertreters des liberalen Judentums und politisch in der Deutschen Demokratischen Partei der Weimarer Zeit aktiven Bielefelder Bürgers. Als Jude musste er trotzdem in der NS-Zeit seine Heimat verlassen. Er starb 1951 im Londoner Exil. Das Buch umfasst Willy Katzensteins im Exil verfasste Autobiografie bis zu seiner Auswanderung. Ergänzt wird die Autobiografie durch Gedichte von 1939, Katzensteins Artikel in jüdischen Zeitungen, sein Kriegstagebuch und Feldpostkarten aus dem Ersten Weltkrieg von 1914 bis 1918. Im Anhang werden alle Dokumente umfangreich und vorbildlich erschlossen. Besonders beeindruckend sind Katzensteins Einblicke in seine Gedankenwelt als assimilierter Jude, seine realistischen Einschätzungen der Lage nach der Machtergreifung Hitlers, die er als »Katastrophe« beschreibt und seine Bemühungen, die schwersten Folgen der nationalsozialistischen Verfolgungspolitik innerhalb der »Reichsvereinigung der deutschen Juden« und seinem Engagement für die Emigration vieler Jüdinnen und Juden zu beeinflussen.
Christoph Laue, in: HF, Nr. 132, Neue Westfälische, Herford, 19.3.2025