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ISBN/EAN: 978-3-593-50464-3
Einband: Paperback
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Auflage:
1. Auflage 2015
1. Auflage 2015
Erschienen am:
15.10.2015
15.10.2015
Sprache:
Deutsch
Deutsch
Umfang:
332 S.
332 S.
Format (T/L/B):
2 x 21.5 x 14 cm
2 x 21.5 x 14 cm
Hersteller:
Beltz Verlagsgruppe GmbH & Co. KG
info@campus.de
Werderstr. 10
DE 69469 Weinheim
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Polnischer Protest
Zur pragmatistischen Fundierung von Theorien sozialen Wandels, Theorie und Gesellschaft 79
Voraussichtlich lieferbar innerhalb 1 - 2 Wochen
Über Hella Dietz
Hella Dietz ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Soziologie der Universität Göttingen.
Rezension
»Hella Dietz gibt in ihrer Studie einen fundierten und detaillierten Einblick in die Geschichte der polnischen Opposition. [...] In kritischer Auseinandersetzung mit wichtigen, zumeist nicht in deutscher Sprache vorliegenden soziologischen Arbeiten schlägt sie eine überzeugende Erklärung für die Entwicklung der Opposition vor, mit deren Hilfe sie die zwei wichtigsten Akteure – KOR und Solidarnosc – von innen heraus, also von den Handlungsdynamiken und -motivationen der Beteiligten her beschreiben kann.« Marion Brandt, H-Soz-Kult, 01.09.2016
Leseprobe
Vorbemerkung Dieses Buch ist die überarbeitete und deutlich erweiterte Fassung meiner Dissertation, die im September 2007 unter dem Titel "Von der Opposition der Werte zu den Werten der Opposition. Eine pragmatistische Analyse der zivilgesellschaftlichen Opposition in Polen" am Max-Weber-Kolleg für kultur- und sozialwissenschaftliche Studien der Universität Erfurt angenommen und 2008 mit dem dritten Wissenschaftlichen Förderpreis des Botschafters der Republik Polen ausgezeichnet wurde. In den letzten zwölf Jahren haben eine Reihe von Menschen und Institutionen auf unterschiedliche Weise zur Entstehung dieses Buches beigetragen - ihnen will ich an dieser Stelle herzlich danken. Der Stiftung der Deutschen Wirtschaft sei für die finanzielle Förderung der Dissertation, dem Max-Weber-Kolleg für hervorragende Arbeitsbedingungen und für die finanzielle Förderung dreier Archivau-fenthalte in Warschau, und den MitarbeiterInnen des dortigen Archivs Karta für geduldige Hilfestellungen bei schwierigen Recherchefragen gedankt. Von allen anderen sei zuallererst meinem Betreuer und Erstgutachter Hans Joas gedankt, der mir ein inspirierender Lehrer war und das Projekt durch kritische Fragen vorangetrieben und zugleich vorbehaltlos unter-stützt hat. Ich danke den Fellows, Kollegiaten und Kollegiatinnen des Max-Weber-Kollegs für die schöne Erfahrung einer Diskussionskultur, die sich nicht mit oberflächlichen Antworten zufrieden gibt - insbesondere die Gespräche mit Christoph Menke und Hans Kippenberg, mit Astrid Reuter, Christian Scherer und Sibylle van der Walt waren in der Anfangsphase des Projekts hilfreich. Wie so oft haben mir in der Folgezeit vor allem die zunächst unbequemen, kritischen Einwände weitergeholfen, meine Argumente zu schärfen. Die wichtigsten kamen von Andreas Pettenkofer, Robert Brier, Matthias König und Ewa Morawska, von Nikolai Genov, dem überdies für die Übernahme des Zweitgutachtens gedankt sei, und von Lisa Bonn, die zudem dankenswer-terweise - ebenso wie Anne Krüger - das gesamte Manuskript gelesen und kommentiert hat. Ein besonderer Dank gebührt Wolfgang Knöbl - für die entscheiden-den Impulse zur grundlegenden Überarbeitung der Dissertationsschrift, für viele Jahre intellektueller Anregungen und für angenehme Arbeitsbedin- gungen in Göttingen. Ebenfalls herzlich danken möchte ich Andreas Gläser für inspirierende Gespräche während meines Forschungsaufenthal- tes an der University of Chicago. Weitere wichtige Hinweise verdanke ich Diskussionen im Rahmen von Projektpräsentationen an den Universitäten von Chicago, Danzig, Helsinki, Berlin, Frankfurt/Main, Konstanz und Göttingen; Gesprächen mit Jerzy Jedlicki, Pawe? S?piewak, Mateusz Fa?kowski und Gunter Dehnert; sowie den Gutachten der HerausgeberInnen dieser Buchreihe. Für das sorgfältige Korrektorat danke ich Anette Nagel. Julia Weber und unsere gemeinsame Schreibklausur waren in der Ent-stehungszeit der ersten Fassung von großer Bedeutung. Für die Überarbei- tung des Buches hat sich Marion Detjen immer wieder für klärende Diskussionen zur Verfügung gestellt. Ohne Ansgar und Gesine wäre diese Überarbeitung vermutlich schneller, aber mit weit weniger Freude fertig worden. Ohne Stephan Eckner, seinen unbestechlichen Scharfsinn und seine liebevolle Unterstützung wäre es vermutlich gar nicht fertiggestellt worden. Ihm ist dieses Buch gewidmet. 1. Einleitung Seit 1989 ist der Staatssozialismus als Gesellschaftsmodell diskreditiert. Der Beginn der Gespräche am Runden Tisch in Polen im Februar, die er-sten demokratischen Wahlen im Juni, die Öffnung der Grenzanlagen zwi-schen Ungarn und Österreich im Mai und der Fall der Berliner Mauer im November hatten gezeigt, dass der Staatssozialismus, der noch kurze Zeit zuvor eine zwar wirtschaftlich weniger erfolgreiche, aber stabile System-alternative zu sein schien, sogar in den Augen der ostmitteleuropäischen Regierungseliten als gescheitert galt. In den Monaten nach dem Zusam-menbruch wurden in Ost- und Ostmitteleuropa neue Regierungen einge-setzt, die von plan- auf marktwirtschaftliche Ordnungsmodelle umstellten und bestehende politische Institutionen - mehr oder weniger konsequent - demokratisierten. Seither erscheinen Markt, Demokratie und Men-schenrechte als alternativlose Trias weltkultureller Prinzipien (vgl. Meyer 2000). Dieser etablierten Lesart der Ereignisse zufolge war "der Westen" 1989 endgültig zur Blaupause für die Modernisierung Osteuropas geworden. Folglich nahm das sozialwissenschaftliche Interesse an den Er-eignissen vor 1989 seit den 1990er Jahren drastisch ab. Noch in den 1980er Jahren hatten sich demokratietheoretisch inspirierte Sozialwis-senschaftlerInnen von Ideen der ost- und ostmitteleuropäischen Dissidenz Antworten auf das diagnostizierte Demokratiedefizit westlicher Demokra-tien versprochen (vgl. Arato 1981; Keane 1988; Ost 1990; Arato/Cohen 1992) und in der Gewerkschaftsbewegung der Solidarno?? einen Modellfall für die zukunftsweisende "Neue Soziale Bewegung" gesehen (vgl. Touraine u.a. 1982). Nach 1989 klassifizierten sie den Umbruch enttäuscht als eine nur "nachholende Revolution" (Habermas 1990). Sie beklagten, dass kaum jemand während und nach dem Umbruch ernsthaft an die Debatten über einen Dritten Weg anschließen wollte (siehe Ost 1990; Greskovits 1998) und dass es auch nach 1989 nicht zu dem erwar-teten Wiederaufleben der Zivilgesellschaft kam (siehe Kubik/Linch 2006). Daraufhin überließen sie der modernisierungstheoretisch inspirierten Transformationsforschung das Feld, die sich auf die Frage beschränkte, wie ein gesteuerter institutioneller Wandel trotz eines vermuteten "Dilemmas der Gleichzeitigkeit" (Offe 1991) von wirtschaftlichen Reformen und De-mokratisierung möglich sei und prüfte, inwieweit die Transformations-länder diese Vorgaben erreichten. Die Ereignisse vor 1989 berücksichtigte sie nur in Form unterschiedlicher Ausgangsbedingungen. Diese Lesart der Ereignisse scheint die Schlussfolgerung nahezulegen, dass staatssozialistische Gesellschaften mit ihrem nun "überlebten" Modell "westlichen" Gesellschaften doch zu unähnlich sind, um von ihrer Analyse Erkenntnisse für die eigene Gesellschaft zu erwarten. Nachdem sich überdies herausgestellt hatte, dass sich einfache Erklärungen über Konti-nuitäten eines "Homo sovieticus" (Tischner 2000 [1990]; 1992) oder einer "zivilisatorischen Inkompetenz" (Sztompka 1993) nicht halten lie-ßen, schienen die Ereignisse vor 1989 noch nicht einmal für die Analyse der Gegenwart in jenen Ländern von Belang. Es gibt jedoch (mindestens) drei gute Argumente dafür, diese Lesart von fundamentalem Bruch und nachholender Revolution kritisch zu hinterfragen und die Ereignisse in Polen vor 1989 als Prüfstein und produktive Herausforderung für die so-ziologische Theoriebildung (wieder) zu entdecken. Erstens liegt der Diagnose einer nur "nachholenden Revolution" die Vorstellung zugrunde, dass staatssozialistische Gesellschaften nach 1989 jene Entwicklung nachholen würden, hinter der sie durch die geringere wirtschaftliche Effizienz ihrer Planwirtschaften in der Nachkriegszeit zu-rückgeblieben waren. Diese Diagnose übersieht jedoch, dass sich in eben-jener Zeit auch (die Vorstellungen von) Markt und Demokratie funda-mental verändert haben. Jüngere Analysen globaler Wandlungsprozesse identifizieren einen globalen Bruch in den 1970er Jahren (siehe beispielhaft Streeck 2013). Aus dieser veränderten Perspektive erscheinen staatssozialistische Gesellschaften trotz aller Unterschiede als Varianten derselben makrosoziologischen Prozesse. Daraus folgt nicht, dass die in mancherlei Hinsicht fundamentalen strukturellen Unterschiede zwischen beiden Ordnungsmodellen verschwinden würden, wohl aber, dass die Unterschiede klein genug scheinen, um gesellschaftliche Phänomene wie beispielsweise die kreditfinanzierte Wirtschaftspolitik der 1970er und 1980er Jahre oder die sich wandelnden Legitimationsstrategien von Regie-rungen und Protestbewegungen in sinnvoller We...
Schlagzeile
Theorie und Gesellschaft Herausgegeben von Jens Beckert (Köln), Rainer Forst (Frankfurt), Wolfgang Knöbl (Göttingen), Frank Nullmeier (Bremen) und Shalini Randeria (Wien)