Goldstrand
Katerina Poladjan 1971 in Moskau geboren und seit Ende der 1970er-Jahre in der Bundesrepublik, hat mittlerweile fünf Romane veröffentlicht – wie „Goldstrand“ stets schmale, klug gebaute und intensive Werke, in denen sich politische Erfahrungen in individuellen Biografien kondensieren.
In diesem neuen Buch begegnen wir dem Filmregisseur Eli. Wir sind in Rom. Auf der Couch seiner Therapeutin, der „Dottoressa“, liegt Eli und erzählt sein Leben und das seiner Familie – seines Großvaters Lew, seines Vaters Felix und seiner Tante Vera die zu Beginn der 1920er Jahre vor den Intelektuellenverfolgungen aus Odessa nach Konstantinopel fliehen mussten. Nach einer Odyssee, die Vater und Sohn an die bulgarische Schwarzmeerküste führt, wird Felix schließlich Architekt und mitverantwortlich sein für den Bau des sozialistischen Vorzeigeprojekts Goldstrand. Elis Mutter Francesca, eine der hinreißendsten Figuren des Romans, die Ende der 1950er-Jahre sich für die neue Linke begeistert, kommt als Teil einer Reisegruppe auf die Goldstrand-Baustelle. Nach einer Nacht mit Felix am Strand kehrt sie schwanger nach Rom zurück...
Spielerisch, fast heiter - und dafür ist die Anlage des Romans als fortlaufende therapeutische Sitzung voller funkelnder Dialoge maßgeblich verantwortlich - erzählt Katerina Poladjan diese Geschichte, die durch das Aussparen und Weglassen von erzählerischer Details an Dichte und Intensität gewinnt. Der Verzicht darauf,
ein Leben oder ein Zeitalter in Gänze auszubreiten, belohnt uns Leser und Leserinnen dafür mit beeindruckenden Bildern und viel Raum für Imagination.
Was wir vom Erzählten glauben können und was nicht? Unwichtig. Das wäre Sache der Geschichtsschreibung. Alles, was am Ende des Gelesenen zählt, ist die Erzählung selbst. Und ein beeindruckend kluger Roman.